Noch heute, wenn ich meine Familie besuche, gehe ich zuerst zur Alme. Im Nachmittagslicht werden die Schatten bereits länger, als ich den Pfad hinunterlaufe, die Felsscharten sind von Brombeerhecken überwuchert. Vorbei am verfallenden Gebäude am Fuß des Steinbruchs, und schon höre ich das Murmeln des Wassers.
Mit der Erzählung "Die Kinder meines Vaters" eröffnete Cornelia Becker ihren Zyklus rund um ein Dorf im Westfälischen, in deren Mittelpunkt der Vater der Erzählerin stand, ein Tankstellenbesitzer, der arabische Pferde züchtet.
In der neuen Erzählung endet sie sich dem Fluss zu, der nicht nur das Dorf durchquert, sondern mit dem fast alle Bewohner*innen des Dorfes in irgendeiner Weise verbunden sind. Und während die Dramaturgie auf eine Katastrophe zusteuert, wird der Bogen all dieser Beziehungen auf engstem Raum aufgespannt. Wir erkennen einige der Figuren wieder, doch die Perspektive hat sich verändert, das Kaleidoskop hat sich gedreht.
Die Künstlerin Dietlind Horstmann-Köpper, die mehrere Wochen des Jahres auf dem Wasser verbringt, hat auf der Elbe -Dove die Erzählung gelesen und sich zu ihrer Serie Kanalgrün inspirieren lassen.

Cornelia Becker
wurde 1957 in Paderborn geboren; sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Sie veröffentlichte Prosa und Lyrik in internationalen Zeitschriften, in arabischer, englischer, spanischer, rumänischer und bengalischer Sprache. Sie engagiert sich in Frauennetzwerken und erprobt Grenzgänge zwischen Literatur und bildender Kunst mit visueller Poesie, Mixed-Media-Arbeiten und Performances. Bisher erschienen die Romane Die Unsterblichkeit der Signora Vero, Der raue Gesang und zuletzt Nächte der Füchsin bei PalmArtPress 2024. Dort veröffentlichte sie auch 2023 ihren vielbeachteten Gedichtband Rückkehr der Hornhechte. Für ihre Arbeiten erhielt sie Auszeichnungen und Stipendien. Im Bübül Verlag erschien 2017 ihre erste Erzählung aus dem westfälischen Dorfkosmos, Die Kinder meines Vaters (auch arabisch-deutsch, mit Arbeiten von Yaser Safi).
Dietlind Horstmann- Köpper
wurde 1947 in Schneverdingen geboren, wo sie heute wieder lebt. Sie studierte Malerei in Hamburg, unterrichtete und stellte in Frankreich, Deutschland, Estland, Italien und Polen aus, dort mit Auszeichnung auf der Biennale in Gdingen. Sie kuratierte den Kunstraum in der Kulturstellmacherei Schneverdingen. Ihr Werk umfasst Plastik, Malerei und Zeichnung und setzt sich mit körperlicher Wahrnehmung und Gedächtnis auseinander. Im Rahmen von 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland porträtierte sie Dichter*innen aus Czernowitz und Künstlerinnen der Hamburgischen Sezession (mit Tanja Langer). Im Bübül Verlag erschien u.a. 2022 ihr Buch Unvertraute Erinnerungen.
Für den Bübül Verlag begleitete sie außerdem bildnerisch Das Liebespaar von Wiebke Eden, Die Ziege der Auberge du Cèdre von Tanja Langer und mit ihr ebenfalls den beliebten Ziegenkalender.
layout und lektorat
wurden wie so oft und mit großer Freude von Chefgrafikerin Maria Herrlich und Verlegerin Tanja Langer besorgt.