Ich bin ein Verbrecher; halt nichts von Geld / Ich will alles von der Welt. (Inge Müller)
Blanche Kommerell (geb. 195o in Halle/Saale)
schrieb 1989 einen Essay über die Dichterin Inge Müller (1925-1966), die zu dieser Zeit nur wenigen Menschen bekannt war, und wenn, oft nur als Frau des Dramatikers Heiner Müller. Dabei hatte sie an seinen Stücken mitgearbeitet und selbst Theaterstücke, Kinderbücher und Radioarbeiten verfasst - und vor allem Gedichte.
Blanche Kommerell, die sich auf ganz eigene Weise in zahlreichen szenischen Lesungen mit Dichterinnen auseinandergesetzt hat, hatte schon als Kind von dieser Lyrikerin gehört - von ihrer Mutter, vom Theater. Nachdem sie 1985 die erste Gedichtsammlung (von Richard Pietraß beim Aufbau Verlag herausgegeben) entdeckt hatte, machte sie sich auf Spurensuche. Sie erkundete die Gedichte, ging Inge Müllers Lebensgeschichte nach, von der man damals kaum etwas wusste und schrieb einen packenden Essay.
Warum nahm Inge Müller sich 1966 das Leben? Was war der Treibstoff ihres Schreibens? In knappen Worten verknüpft Blanche Kommerell Fakten mit den Gedichten, öffnet Assoziationen, auch mit eigenen Erinnerungen- etwa an ihre Kindheit im Theater und im Arbeiterviertel Berlin-Lichtenberg. Sie befragte - als allererste damals - den Dramatiker Heiner Müller nach dem Leben mit Inge Müller, die immer wieder versuchte sich das Leben zu nehmen. Die hinreißend intensiv war, jedoch stets gefährdet. Müller antwortete Blanche Kommerells direkten Fragen mit entwaffnender Offenheit. Der Essay und das Gespräch sind in ihrer verdichteten Knappheit ein ausgezeichneter Einstieg, um die Lyrikerin Inge Müller kennenzulernen - und über einige Lebensfragen nachzudenken. Darüber hinaus sind sie ein eindrucksvolles Zeitdokument: Der Umbruch des Wendejahres 1989 ist in jeder Zeile spürbar.
Inge Müller
greift in ihren Gedichten auf außerordentlich direkte, dabei hochpoetische Weise die Erlebnisse der Stunde Null, die Erschütterungen durch den Zweiten Weltkriegs auf. Heute, da man sich mit der Generation, die in dieser Zeit jung war, und den Folgen ihrer Traumatisierungen befasst, wirken diese Gedichte unmittelbar, verblüffend. Ihre Gedichte über Liebe und Einsamkeit sind zeitlos packend, voller Zärtlichkeit und Wut.
Der Berliner Maler Reinhard Pods - aktuell ausgestellt in New York!
hat sich mit Blanche Kommerells Texten und den Gedichten Inge Müllers eigens für dieses Buch in einer Reihe von Zeichnungen auseinandergesetzt. Reinhard Pods, 1951 in Berlin geboren, studierte an der Hochschule (heute Unviersität) der Künste, Berlin und wurde Meisterschüler von Prof. Hödicke. Er erhielt Auszeichnungen wie den Thieler-Preis, das Villa Massimo Stipendium in Rom, den Will-Grohmann-Preis u.a. In seiner hochreflektierten, expressiven Malerei setzt er sich neben Porträts, abstrakter Malerei auch immer wieder mit politischen Themen auseinander, wie dem Golf Krieg oder der Wirtschaftskrise. Reinhard Pods lebt in Berlin. Ausstellungen in der Galerie Haas, Charlottenburg
Im Frühjahr 2023 wurde eine Werkschau reinhard Pods in der renommierten Galerie Fergus McCaffrey in New York gezeigt.
Lesungen: http://www.blanchekommerell.de
Rezension von Sophie Sumburane https://herlandnews.com/2016/10/12/das-vergessene-werk-der-dichterin-inge-mueller/